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Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Leukozyten sind Blutzellen, die Krankheitserreger abwehren und Fremdkörper beseitigen. Sie gehören damit zum Immunsystem, weshalb einige Unterarten der Leukos auch als Immunozyten (Immunzellen) bezeichnet werden. Im Vergleich zu den roten Erythrozyten sehen Leukozyten unter dem Mikroskop eher farblos aus, sie werden daher auch weiße Blutzellen genannt. Durch Einfärbung lassen sie sich dann allerdings deutlich erkennen und die Unterarten voneinander unterscheiden.

Das Blut eines gesunden Menschen enthält etwa 4.000 bis 11.000 Leukozyten pro Mikroliter (µl) Blut - in manchen Quellen beginnt die Spanne erst bei 4.500 und endet bei 10.000. Der Blutwert "(Anzahl der) Leukozyten" wird im Rahmen des kleinen Blutbildes ermittelt. Die Messeinheit ist entweder "Anzahl Leukos pro Mikroliter (µl)" oder "Anzahl Leukos pro Nanoliter (nl)".

Tabelle Leukozyten-Normalwerte (Abk. Leukozyten: Leuko)

  Anzahl Leukos pro Mikroliter Blut
Erwachsene 4 000 – 11 000 / µl; entspricht 4–11 / nl
Schulkinder 5 000 – 15 000 / µl; entspricht 5–15 / nl
Kleinkinder 6 000 – 17 500 / µl; entspricht 6–17,5 / nl
Neugeborene 9 000 – 30 000 / µl; entspricht 9–30 / nl

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Der Leukozyten-Wert dient vor allem dazu. mögliche Entzündungen oder Infektionen im Organismus aufzuspüren.

Aufbau eines Leukozyt

Leukozyten werden wie alle Blutzellen im Knochenmark gebildet, sie entwickeln sich aus einer sog. Progenitorzelle (Hämatopoetische Vorläuferzelle), einem Abkömmling einer multipotenten adulten Stammzelle. Der Prozess der Leukozytenbildung wird auch als Leukopoese oder Leukozytopoese bezeichnet.

Leukozyt
Leukozyt, mit bis zu 20 µm Durchmesser
deutlich größer als ein Erythrozyt
(im Bild ein segmentkerniger Granulozyt)

Die Größe der Leukozyten schwankt zwischen 9 µm (Lymphozyten) und 20 µm (Monozyten). Erythrozyten (rote Blutkörperchen) sind etwa 7,5 µm groß. Die Lebensdauer der Leukos reicht von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Bestimmte Leukozyten können sich gezielt bewegen und aktiv aus dem Blut in bestimmte Zellgewebe einwandern.

Im Rahmen der Blutuntersuchung können die verschiedenen Formen der Leukozyten durch bestimmte Färbung sichtbar gemacht werden, so dass man sie unter dem Mikroskop unterscheiden und auszählen kann.

Leukozyten differenzieren

Es gibt eine Reihe von Leukozyten-Unterarten, die sich in Aufbau, Gestalt und Funktion unterscheiden. Bei Unregelmäßigkeiten des Blutwertes "Leuko" werden daher diese Unterarten genauer untersucht. Diese differenzierte Analyse der Leukozyten wird als Differentialblutbild bezeichnet. Das kleine Blutbild und die Differentialblutbild zusammen ergeben das sog. große Blutbild.

Leukozyten-Arten
Leukozyten-Arten - so wie sie nach Einfärbung unter dem Mikroskop erscheinen

Funktion der Leukozyten

Leukozyten sind für die Abwehr von körperfremden und schädlichen Substanzen zuständig sind.. Als Blutzellen schwimmen sie im Blutplasma und werden dank des ununterbrochenen Blutkreislaufs ständig durch den gesamten Organismus gepumpt. Sie bewegen sich vorwiegend an den Wänden der Blutgefäße und prüfen, ob sie Signale für Verletzungen oder Entzündungen finden. Einige können sogar die Blutbahn verlassen und gezielt in Gewebestrukturen nach Tumorzellen suchen. Zu den unverträglichen Stoffen bzw. Krankheitserregern, die Leukozyten abwehren können, gehören:

Da diese Fremd- oder Giftstoffe sehr unterschiedlich sind, gibt es verschiedene Untergruppen der Leukozyten. Jede Gruppe hat dabei eine sehr spezielle Aufgabe innerhalb des Immunsystems. Nach ihrer Bildung werden die verschiedenen Leukos jeweils in bestimmten Organen "geprägt", dass heißt sie lernen erst vor Ort ihre genaue Funktionsweise. Grob zusammengefasst gibt es folgende Leukozyten-Arten:

Leukozyten Normalwerte

Differentialblutbild (Leukozyten Normalwerte):

Zelltyp Anteil an Gesamt-Leukozyten (%) Anzahl pro µl Siehe auch
alle Leukozyten (bei Erwachsenen) 100 4.000–11.000 zu hoch
zu niedrig
Neutrophile Granulozyten stabkernig 3-5 150–400 zu hoch
zu niedrig
Neutrophile Granulozyten segmentkernig 54–62 3000–6000 zu hoch
zu niedrig
Eosinophile Granulozyten 1–3 50–250 zu hoch
zu niedrig
Basophile Granulozyten 0–1 15–50 zu hoch
zu niedrig
Lymphozyten 25–33 1500–3000 zu hoch
zu niedrig
Monozyten 3–7 300–700 zu hoch
zu niedrig

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Leukozyten-Arten und Immunzellen

Hier eine Liste der Leukozyten-Arten sowie deren Hauptfunktionen:

Immunzellen

Aufgabe und Funktion
Monozyten Vorläufer der Makrophagen im Blut
Makrophagen Phagozytose, im Gewebe und der Lymphflüssigkeit
Mastzellen Permeabilität der Blutgefäße, beteiligt an allergischen Reaktionen
Antigenpräsentierende Zellen markieren Antigene und leiten damit die Immunantwort ein

Granulozyten

Aufgabe und Funktion
neutrophile Granulozyten Phagozytose (Fressen) von Bakterien, Viren und Pilzen im Blut
eosinophile Granulozyten Abwehr von Parasiten, beteiligt an allergischen Reaktionen
basophile Granulozyten Abwehr von Parasiten, allergische Reaktionen, Entzündungen, Juckreiz

Lymphozyten

B-Zell-Gruppe

Aufgabe und Funktion
B-Lymphozyten Vorläufer der Plasmazellen im Blut
Plasmazellen Spezialisierung auf Antikörperproduktion
B-Gedächtniszellen langlebige B-Zellen mit einem Gedächtnis für spezielle Antigene

T-Zell-Gruppe

  Aufgabe und Funktion
T-Helferzellen aktivieren Plasmazellen und Killerzellen, erkennen Antigene
Regulatorische T-Zellen bremsen die Immunantwort, hemmen B-Zellen und anderer T- Zellen
T-Gedächtniszellen langlebige T-Zellen mit einem Gedächtnis für spezielle Antigene
T-Killerzellen erkennen und zerstören von Viren befallene Körperzellen und Tumorzellen

Killerzellen

Aufgabe und Funktion
natürliche Killerzellen greifen Tumorzellen und von Viren befallene Zellen an

Leukozyten zu hoch (Blutwert erhöht)

Leukozyten zu hoch (Blutwert Leuko erhöht)

Ein erhöhter Leukozyten-Wert legt nahe, dass die Produktion hochgefahren wurde, weil der Organismus Krankheitserreger und andere körperfremde Stoffe / Strukturen abwehren will. Wenn (zu) viele Leukozyten im Blut nachgewiesen werden können, spricht man von einer Leukozytose. In den meisten Fällen ist eine Infektion (Viren, Bakterien) die Ursache. Der Organismus steigert die Leukozyten-Produktion im Knochenmark, um die Erreger abzuwehren. Das ist ein ganz normaler und sogar sehr guter Prozess. Wenn der Entzündungsherd neutralisiert wurde, sinkt die Leukozyten-Produktion automatisch. Ein erhöhter Wert kann also als Folge einer Immunreaktion völlig normal sein. Der Wert sollte allerdings nach einiger Zeit nochmals geprüft werden.

Bleibt aber die Zahl der Leukozyten zu hoch, müssen weitere Untersuchungen folgen, um die Ursache der Leukozytose zu finden. Gelegentlich ist die Zahl der Leukozyten leicht erhöht, ohne dass eine Ursache zu finden ist. Man spricht in dem Fall von einer idiopathischen Leukozytose. Ein erhöhter Leukozyten-Wert kann auch ein Hinweis auf Rheuma oder Blutkrebs sein. Weiterlesen: Leukozyten zu hoch

Leukozyten zu niedrig (Blutwert vermindert)

Leukozyten zu niedrig (Blutwert Leuko vermindert)

Eine Verminderung der Leukozyten-Anzahl kann nennt man das Leukopenie. Leukozyten gehören zum Immunsystem und sind dort Teil der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr. Ihre Aufgabe ist es, Krankheitserreger abzuwehren. Bei einer Leukopenie hat der Körper weniger Abwehr-Zellen - folglich steigt das Risiko für Infekte. Häufig kommt es zu Entzündungen bei Mund, Zunge, Hals, Lunge, aber auch Ohren und der Haut. Also im Grunde überall da, wo Viren und Bakterien auf unseren Körper direkt einwirken. Normalerweise werden sie problemlos von den Leukos eliminiert. Im Falle einer Leukopenie klappt das leider nicht mehr. Mögliche Ursachen sind unter anderem HIV (Autoimmunerkrankung), Tumore (Leukämie) oder eine Virusinfektion. Aber auch bestimmte Medikamente (z.B. gegen Rheuma, Antibiotika, Chemotherapie) können eine Verminderung der Leukozyten zur Folge haben. Weiterlesen: Leukozyten zu niedrig

Leukozyten im Urin

Leukozyten zu niedrig (Blutwert Leuko vermindert)

Leukozyten sind nicht nur als Blutwert von Interesse, sondern auch in der Urinprobe. Auch der Laborwert "Leukozyten im Urin" zeigt an, ob im Körper eine Entzündung vorliegt, vorrangig in der Niere oder den Harnwegen (Harnleiter, Harnblase, Harnröhre).

Da pro Tag etwa 180 Liter Blut durch die Niere strömen, ist es vollkommen normal, dass ein paar Leukozyten in der Niere quasi hindurch rutschen. Diese Leukos lassen sich im Urin nachweisen, es sind normalerweise bis zu 10 pro Mikroliter (µl) Urin. Wenn der Wert höher ist, spricht man von einer Leukozyturie (Hinweise: bei einer erhöhten Anzahl im Blut von einer Leukozytose).

Eine Leukozyturie tritt vorrangig dann auf, wenn die ableitenden Harnwege durch eine bakterielle Infektion entzündet sind. Umgangssprachlich sprechen viele auch von "Blasenentzündung" (Zystitis). Aber auch die anderen Organe wie Harnleiter, Harnröhre oder die Niere können entzündet sein. Am schwerwiegendsten ist in der Regel die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die als Folge einer Entzündung der ableitenden Harnwege entsteht.

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