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Segmentkernige neutrophile Granulozyten

Segmentkernige Granulozyten

Segmentkernige Granulozyten sind die reife, voll ausgebildete Form der neutrophile Granulozyten (Neutrophile). Sie sind nach ihrem Aussehen unter dem Mikroskop benannt, wo der Zellkern in mehrere Segmente unterteilt ist, die nur nur einem dünnen Faden miteinander verbunden sind. Vorher, im jugendlichen Zustand, besteht der Zellkern noch aus einem länglichen (stabförmigen) Stück, daher wird der junge Neutrophile auch stabkerniger Granulozyt genannt.

Neutrophiler segmentkerniger Granulozyt
Neutrophiler segmentkerniger Granulozyt

Im Blutbild (Untersuchung der Blutzellen) werden die Neutrophilen in stabkernige und segmentkernige differenziert. Aus dem Verhältnis kann man Rückschlüsse ziehen, ob sich eine Infektion erst im Anfangsstadium befindet - oder ob der Körper bereits die Produktion der Granulozyten hochgefahren hat.

Der Großteil der funktionsfähigen Granulozyten befindet sich jedoch gar nicht im zirkulierenden Blut, sondern wird im Knochenmark gelagert (ca. 12-14fache Menge).

Wie viele andere Immunzellen entfalten auch stabkernige Granulozyten ihre volle Wirkung bei einer Körpertemperatur von 38,3 - 41° (Fieber). Es ist also normal und logisch, dass der Körper bei einer Infektion mit Fieber reagiert und somit die Immunabwehr beschleunigt.

An der Verteilung der Granulozyten lässt sich im Rahmen eines Differentialblutbildes vor allem erkennen, in welchem Stadium sich eine Infektion befindet und ob die körpereigene Abwehr hochgefahren wurde und funktioniert.

Zellart Anteil an Gesamt-Leukozytenanzahl Anzahl pro µl Blut
Neutrophile Granulozyten    
  Stabkernige (neutrophile) Granulozyten 3 bis 5% 150–400
  Segmentkernige (neutrophile) Granulozyten 50 bis 70% 3000–6000
Eosinophile Granulozyten 2 bis 4% 50–250
Basophile Granulozyten 0 bis 2% 15–50

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Was bedeutet Linksverschiebung und Rechtsverschiebung?

Das vermehrte Auftreten der (unreifen) stabkernigen Granulozyten bezeichnet man auch als Linksverschiebung. Dieser Begriff wird häufig von Ärzten im Zusammenhang mit der Differenzialblutbild verwendet. Eine Linksverschiebung zeigt - grob vereinfacht - die gesteigerte Produktion von neutrophilen Granulozyten an - das ist meist ein Indiz für eine bakterielle Infektion.

Wenn im Gegensatz dazu vermehrt überreife, über-segmentierte Neutrophile gemessen werden, spricht man von einer Rechtsverschiebung. Das kann auf einen Mangel hindeuten, z.B. von Vitamin-B12.

Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile)
Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile)

Funktion der segmentkernigen neutrophilen Granulozyten

Neutrophile Granulozyten (sog. Neutrophile) sind eine von drei Arten der Granulozyten - neben eosinophilen und basophilen. Sie gehören alle zur Gruppe der Leukozyten, einer von drei Blutzellen-Arten. Die Aufgabe der neutrophilen Granulozyten ist es, Mikroorganismen, vor allem schädliche Bakterien, abzutöten. Sie gehören zu den sog. Fresszellen (Phagozyten), weil sie die Bakterien umschließen und vollständig in sich aufnehmen, um sie zu neutralisieren. Unter dem Mikroskop sieht es dann so aus, als würden sie die Bakterien fressen.

Viele stabkernige neutrophile Granulozyten

Wenn zu viele segmentkernige Granulozyten im Blut enthalten sind, deutet vieles auf eine akute bakterielle Infektionen oder eine chronische Entzündung hin. Allerdings ist in diesem Fall entscheidend, wie sich die anderen Blutwerte, insbesondere die Leukozytenzahl insgesamt, darstellt. Wenn der Anteil der neutrophilen Granulozyten im Differentialblutbild deutlich erhöht ist, spricht man von einer neutrophilen Granulozytose oder "Neutrophilie". Dabei handelt es sich um die häufigste Form der Leukozytose, also der Erhöhung der Zahl der weißen Blutkörperchen.

Offenbar wurde die Granulozyten-Produktion im Knochenmark angeregt, um Bakterien oder andere körperfremde Eindringlinge aktiv zu bekämfen. An der Verteilung der Granulozyten lässt sich im Rahmen eines Differentialblutbildes vor allem erkennen, in welchem Stadium sich eine Infektion befindet und ob die körpereigene Abwehr hochgefahren wurde und funktioniert.

Wenig segmentkernige neutrophile Granulozyten

Neutrophiler segmentkerniger Granulozyt
Neutrophiler segmentkerniger Granulozyt

Wenn zu wenige segmentkernige Granulozyten im Blut vorhanden sind, zeigt das meist den Beginn einer Infektion an. Die bisher vorhandenen Granulozyten - vor allem die "reifen" segmentkernigen Neutrophilen - sind größtenteils bereits mit der Bekämpfung der Bakterien beschäftigt. Die Produktion wurde aber noch nicht hochgefahren. Diesen Zustand bezeichnet man auch als Granulozytopenie. Es werden also viele gebraucht, sind aber noch nicht genug nachgebildet worden.

In dieser Phase ist die Abwehrbereitschaft des Körpers herabgesetzt - das heißt in dieser Zeit ist der Organismus besonders anfällig für weitere Infektionen.

Bildung der Granulozyten (Granulopoese)

Die Bildung der Granulozyten (Granulopoese) erfolgt im Knochenmark aus multipotenten Stammzellen (auch hämatopoetische Stammzelle). Die folgende Infografik zeigt die Entwicklungsstadien der einzelnen Zellarten.

Hämatopoese (Bildung der Blutzellen) - Infografik
Hämatopoese (Bildung der Blutzellen)
Infografik von Martin Mißfeldt, CC-BY-SA; Bildquelle: Blutwert.net

Der gesamte Vorgang der Blutbildung wird als Hämatopoese bezeichnet.

Segmentkernige Granulozyten
Segmentkernige Granulozyten (Blutwert)

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