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Bilirubin (Laborwert tBil) einfach erklärt

Bilirubin

Bilirubin bedeutet wörtlich eigentlich "rote Galle" (von lat. bilis "Galle" und rubin "rot") - aber in Wirklichkeit ist die Substanz gelblich. Es handelt sich um das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin - also quasi der gelbe Gallenfarbstoff. Bilirubin wird über den Darm oder die Niere ausgeschieden - daher ist auch Harn gelblich und Stuhl bräunlich.

Als Blutwert wird Bilirubin (tBil; total=gesamt) herangezogen, um mögliche Schäden an der Leber oder den Gallengängen (z.B. durch Gallensteine) zu diagnostizieren. Wenn Bilirubin nicht richtig abgebaut werden kann, sammelt sich die Substanz an der Körperoberfläche: Augen und Haut werden gelblich, man spricht von Gelbsucht (sog. Ikterus). Im Laborbefund wird dann sehr schnell deutlich, dass der Blutwert Bilirubin (stark) erhöht ist. Dann gilt es herauszufinden, was die Ursache ist.

Bilirubin: Abbauprodukt des Hämoglobins

Pro Tag werden fast 200 Milliarden (!) neue rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebildet, das entspricht ca. 2. Millionen pro Sekunde. Jeder Erythrozyt enthält unzählige Hämoglobin-Moleküle - die wiederum jeweils vier Häm-Gruppen enthalten. Jede Häm-Gruppe enthält ein Eisen-Ion, an das Sauerstoff oder Kohlendioxid angelagert werden kann. So wird mit Hilfe der roten Blutkörperchen der gesamte Organismus mit Sauerstoff versorgt (Sauerstoff = Energie). Die Erythrozyten haben eine Lebensdauer von rund 120 Tagen.

Hämoglobin
Hämoglobin - vier Globine (zwei α- und β) mit jeweils einer Häm-Gruppe,
die Sauerstoff binden kann

In gleichem Umfang, wie neue Erythrozyten gebildet werden, müssen die alten natürlich auch abgebaut werden - also ebenfalls rund 200 Milliarden pro Tag (!). Das geschieht überwiegend in der Milz - in geringem Umfang auch in der Leber. Da sich das alles in mikroskopisch kleinen Sphären abspielt, ist es in der Masse gar nicht so viel: es entspricht ca. 300 mg (Milligramm) Bilirubin im menschlichen Organismus.

Beim Abbau der alten Erythrozyten durch die Makrophagen (Fresszellen, Unterart der Monozyten) wird das Eisen aus der Häm-Gruppe zur Wiederverwendung abgespalten und an Transferrin in den Blutkreislauf entlassen. Der restlichen Aminosäuren werden zusammengefaltet und über die Zwischenstufe Biliverdin (grünlich) in Bilirubin umgewandelt (gelb). Dieses Abbauprodukt des Hämoglobin (Definition) muss dann aus der Milz in die Leber gebracht werden.

Bilirubin Definition
Bilirubin Definition: Abbauprodukt des Hämoglobins in den Erythrozyten

Direktes und indirektes Bilirubin

Bilirubin ist lipophil (fettliebend) und entsprechend hydrophob (wasserabweisend). Daher kann es nicht einfach im wässrigen Blutserum schwimmen (sonst würde es verklumpen), sondern braucht ein Vehikel, um im Blut transportiert zu werden. Dieses Transportmolekül ist das Protein Albumin. Es hat - so ähnlich wie ein Lipoprotein für die Blutfette - eine kugelförmige Gestalt. Im Inneren diese Kügelchen können Stoffe im Blut transportiert werden (Oberbegriff dieser Transportkügelchen: Globuline). Zumeist ist die Bindung relativ locker, aber ab und zu ist die Bindung fester (das bezeichnet man dann als "Delta-Bilirubin").

Bilirubin
Bilirubin - Abbauprodukt des Hämoglobins in den Erythrozyten.
Für den Transport von der Milz in die Leber: Indirektes Bilirubin.
Für den Transport von Leber in Darm (und Darm zu Niere): direktes Bilirubin.

Indirektes Bilirubin (unkonjugiert)

Bilirubin, das an ein solches Albumin gebunden ist, bezeichnet man als "unkonjugiert" oder auch als "indirektes Bilirubin". In diesen Transportkügelchen gelangt das "indirekte Bilirubin" in die Leber. Neben dem Gesamt-Bilirubin-Wert wird auch indirektes Bilirubin als Laborwert gemessen - also der Teil an Bilirubin, der auf dem Weg von der Milz in die Leber ist.

Indirektes Bilirubin (unkonjugiert)
Indirektes Bilirubin (unkonjugiert)

Direktes Bilirubin (konjugiert)

In der Leber wird das Bilirubin abgeladen. Genau genommen wird es durch das Enzym Glucuronyltransferase an Glucuronsäure gekoppelt (konjugiert). Diese Form (und das o.g. Delta-Bilirubin) bezeichnet man als "konjugiertes Bilirubin" oder auch "direktes Bilirubin". Anschließend gelangt das konjugierte Bilirubin über die Gallenwege in den Darm und wird dort ausgeschieden - ein kleiner Teil gelangt in die Niere und wird dort ausgeschieden.

Direktes Bilirubin (konjugiert)
Direktes Bilirubin (konjugiert)

Kurz zusammengefasst:

Bilirubin im Blut / als Blutwert

Bilirubin Aufbau
Bilirubin Aufbau - Struktur des Moleküls

Genau hier wird deutlich, warum Bilirubin als Blutwert Relevanz besitzt:

In jedem Fall gelangen dann großen Mengen Bilirubin unkontrolliert wieder ins Blut und verteilen sich so im gesamten Körper. Da es hierfür keine sinnvolle Verwendung gibt (keine geeigneten bio-chemischen Prozesse), lagert sich der gelbe Farbstoff einfach mehr oder weniger überall ab, so auch in der Haut-Oberfläche und in der Sclera des Auges (das Weiße im Auge). Mangels Farbstoff wird der Stuhl sandfarben hell und der Urin eher dunkel gefärbt.

Bilirubin Normalwerte

Von dem Gesamt-Bilirubin, das im Blut gemessen wird, sind etwa. 5/6 indirektes, also solches, das an Albumin gebunden ist. Nur ca. 1/6 ist direktes (konjugiertes) Bilirubin, dass durch Glucuronsäure wasserlöslich gemacht wurde.

Im Laufe des Tages verändert sich die Bilirubinkonzentration des Blutes, daher sollte die Blutentnahme morgens auf nüchternen Magen erfolgen. Die Normalwerte für Erwachsene betragen:

Leberwert in Milligramm pro Deziliter in Mikromol pro Liter
Bilirubin unter 1,2 mg/dl unter 20,5 µmol/l
indirektes Bilirubin unter 1,0 mg/dl unter 17,1 µmol/l
direktes Bilirubin unter 0,2 mg/dl unter 3,4 µmol/l

Bilirubin erhöht / zu hoch (Hyperbilirubinämie)

Bilirubin zu hoch

Wenn der Bilirubinspiegel im Blutserum über 1,2 mg/dl (20,5 µmol/l) liegt, spricht man von Hyperbilirubinämie. In der Folge kommt es zur Gelbsucht (med.: Ikterus), dass heißt: nach und nach färben sich die Gewebe im Körper gelblich. Zunächst das Weiße im Auge (Sclera), dann die Haut - und schließlich auch die inneren Organe. Das überschüssige Bilirubin, das nicht mehr ausgeschieden werden kann, verteilt sich im gesamten Körper und führt zur Gelbfärbung. Siehe: zu viel Bilirubin.

Ursache für erhöhte Bilirubin-Werte

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen. Zur genaueren Bestimmung werden das Verhältnis von direktem und indirektem Bilirubin, aber auch andere Blutwerte herangezogen. Dazu gehören zum Beispiel:

In der Regel lässt sich die Ursache erhöhter Bilirubinwerte durch den Abgleich mit anderen Blutwerten ermitteln.

Neugeborenengelbsucht (Neugeborenen-Ikterus)

Bei fast 60% der Neugeborenen kommen vorübergehend auch höhere Bilirubinwerte vor (Neugeborenengelbsucht). Der Grund dafür ist, dass die Aktivität des Enzyms Glucuronyltransferase, das die Umwandlung in direktes Bilirubin katalysiert, noch nicht wirklich ausgebildet ist. Die Gefahr hierbei ist, dass sich Bilirubin im zentralen Nervensystem ablagert und hier zentralnervöse Schäden verursacht. Mit Hilfe von UV-Strahlung kann das in der Haut abgelagerte Bilirubin in wasserlösliches Lumirubin umgewandelt werden, so dass es ausgeschieden werden kann (Phototherapie).

Bilirubin-Wert zu niedrig (?)

Bilirubin zu niedrig

Ein niedriger Bilirubinwert (im Blutserum) zeigt keinesfalls einen Mangel an. Eine Bilirubin-Untergrenze gibt es nicht. Daher hat ein geringer Bilirubinwert keine klinische Relevanz.

Hinweis: Es kommt auch vor, dass durch eine genetische Veränderung bestimmte Blutwerte außerhalb der Norm liegen, ohne dass es zu Beschwerden oder Einschränkungen kommt. Abweichende Blutwerte sind daher immer im Gesamtzusammenhang zu beurteilen. Das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen. Diese Website dient dazu, ein solche Gespräch vorzubereiten, damit man es besser versteht.

Weitere Leberwerte / Laborwerte

Welche Blutwerte gehören zu den Leberwerten bzw. welche erlauben Rückschlüsse über die Leber? Die folgende Tabelle zeigt die Normalwerte für Erwachsene (*Hinweis: die Werte bei Kindern/Jugendlichen und Schwangeren können abweichen). Die Einheit "U/l" steht für "Units pro Liter (Blut); "kU/l" steht für "Kilo-Units pro Liter (Blut); "mg/dl" bedeutet "Milligramm pro Deziliter (Blut)".

Abk. Beschreibung Normwerte
Männer
Normwerte
Frauen
Siehe auch
ALAT (=GPT) Alanin-Aminotransferase bis 50 U/l bis 35 U/l zu hoch
zu niedrig
ASAT (=GOT) Aspartat-Aminotransferase bis 50 U/l bis 35 U/l zu hoch
zu niedrig
AP Alkalische Phosphatase 40 - 129 U/l 35 - 104 U/l zu hoch
zu niedrig
GLDH Glutamatdehydrogenase bis 7,0 U/l bis 5,0 U/l zu hoch
zu niedrig
GGT, γ-GT Gamma-Glutamyl-Transferase bis 60 U/l bis 42 U/l zu hoch
zu niedrig
tBil Gesamt-Bilirubin bis 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
bis 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
dBil Direktes (konjugiertes) Bilirubin bis 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
bis 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
iBil Indirektes (unkonjugiertes) Bilirubin bis 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
bis 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
ChE Cholinesterase 5,3 - 12,9 kU/l 4,3 - 11,3 kU/l zu hoch
zu niedrig
QUICK Quick-Wert 70 - 120% 70 - 120% zu hoch
zu niedrig

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Bilirubin
Bilirubin - Blutwert einfach erklärt

Weiterführende Links