Großes Blutbild einfach erklärt (Normalwerte)

Blut besteht aus Blutzellen (ca. 45%) und Blutplasma (ca. 55%). Bei einem sog. "Blutbild" (Hämogramm) werden nur die Blutzellen genauer untersucht (Mediziner sagen auch: "die zellulären Bestandteile"). Das "große Blutbild" ist eine Kombination aus kleinem Blutbild und dem Differentialblutbild.

Zunächst die Tabelle mit den Normalwerte des großen Blutbildes. Bitte beachten Sie, dass einige Normwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Kleines Blutbild
Abk. Beschreibung Normalwerte Siehe auch
Ery Anzahl der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) Männer: 4,5 - 5,9 Mio. pro µl
Frauen: 4,1 - 5,2 Mio. pro µl
zu hoch
zu niedrig
Leuko Anzahl der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) Männer: 4.000 - 10.000 pro µl
Frauen: 4.000 - 10.000 pro µl
zu hoch
zu niedrig
Thrombo Anzahl der Thrombozyten (Blutplättchen) Männer: 150.000 - 380.000 pro µl
Frauen: 150.000 - 380.000 pro µl
zu hoch
zu niedrig
Hkt Hämatokrit: prozentualer Anteil der Blutzellen im Blut Männer: 42 - 50 %
Frauen: 37 - 45 %
zu hoch
zu niedrig
Hb Hämoglobin(-konzentration) des roten Blutfarbstoffs Männer: 13 bis 17 g pro dl
Frauen: 12 bis 16 g pro dl
zu hoch
zu niedrig
MCH Hämoglobinmenge pro Erythrozyt Männer: 27 - 34 pg (pro Zelle)
Frauen: 27 - 34 pg (pro Zelle)
zu hoch
zu niedrig
MCHC durchschnittliche Hämoglobinkonzentration pro Erythrozyt Männer: 32 - 36 g pro dl
Frauen: 32 - 36 g pro dl
zu hoch
zu niedrig
MCV durchschnittliches Volumen eines Erythrozyts Männer: 85 - 98 fl
Frauen: 85 - 98 fl
zu hoch
zu niedrig
Retis Retikulozyten: jugendliche Erythrozyten Männer: 3 bis 18 pro 1.000 Erys
Frauen: 3 bis 18 pro 1.000 Erys
zu hoch
zu niedrig
Kleines Blutbild
Abk. Beschreibung Normalwerte
Ery Erythrozyten (rote Blutkörperchen) Männer: 4,5 - 5,9 Mio.
Frauen: 4,1 - 5,2 Mio.
Leuko Leukozyten (weiße Blutkörperchen) Männer: 4.000 - 10.000
Frauen: 4.000 - 10.000
Thrombo Thrombozyten (Blutplättchen) Männer: 150.000 - 380.000
Frauen: 150.000 - 380.000
Hkt Hämatokrit: Anteil Blutzellen Männer: 42 - 50 %
Frauen: 37 - 45 %
Hb Hämoglobin (-konzentration) Männer: 13 - 17 g/dl
Frauen: 12 - 16 g/dl
MCH Hämoglobinmenge pro Erythrozyt Männer: 27 - 34 pg
Frauen: 27 - 34 pg
MCHC durchschnittl. Hämoglobin-Konzentration Männer: 32 - 36 g/dl
Frauen: 32 - 36 g/dl
MCV durchschnittl. Erythrozyten-Volumen Männer: 85 - 98 fl
Frauen: 85 - 98 fl
Retis Retikulozyten: jugendliche Erys Männer: 3 bis 18
Frauen: 3 bis 18
Differentialblutbild (Leukozyten Normalwerte)
Zelltyp Anteil an Gesamt-Leukozyten (%) Anzahl pro µl Siehe auch
alle Leukozyten (bei Erwachsenen) 100 4.000–10.000 zu hoch
zu niedrig
Neutrophile Granulozyten stabkernig 3-5 150–400 zu hoch
zu niedrig
Neutrophile Granulozyten segmentkernig 54–62 3000–6000 zu hoch
zu niedrig
Eosinophile Granulozyten 1–3 50–250 zu hoch
zu niedrig
Basophile Granulozyten 0–1 15–50 zu hoch
zu niedrig
Lymphozyten 25–33 1500–3000 zu hoch
zu niedrig
Monozyten 3–7 300–700 zu hoch
zu niedrig
Differentialblutbild (Leukozyten Normalwerte)
Zelltyp Anteil (%) an
Gesamt-Leukos
Anzahl pro µl
alle Leukozyten (bei Erwachsenen) 100 4.000–10.000
Neutrophile Granulozyten stabkernig 3-5 150–400
Neutrophile Granulozyten segmentkernig 54–62 3000–6000
Eosinophile Granulozyten 1–3 50–250
Basophile Granulozyten 0–1 15–50
Lymphozyten 25–33 1500–3000
Monozyten 3–7 300–700

Großes Blutbild: Was wird untersucht?

Viele Patienten denken: beim großen Blutbild werden besonders viele und wichtige Werte ermittelt, zum Beispiel: Blutzucker, Blutfette wie z.B. Cholesterin, Leberwerte, etc. ... Das ist nicht der Fall. "Klein" und "groß" hat nichts mit der "Wichtigkeit" der Werte zu tun. Das große Blutbild ist nicht der "Rundum-Check aller Blutwerte". Der Name Blutbild hat damit zu tun, dass man diese Untersuchung anhand eines mikroskopierten Bildes vornimmt (heutzutage meist nur noch automatisiert). Die übrigen (über 100) Blutwerte lassen sich nicht mit einem Mikroskop untersuchen, sondern über eine chemische Analyse des Blutserums.

Blut Bestandteile

Beim Blutbild werden die Blutzellen untersucht. Beim kleinen Blutbild stehen die Konzentration der Zellarten an sich sowie die roten Blutkörperchen im Mittelpunkt. Neben dem exakten Anteil aller Blutzellen im Verhältnis zum Blutplasma (Hämatokrit) wird ermittelt, wie viele ...

im Blut vorhanden sind.

Zudem werden beim kleinen Blutbild einige Werte ermittelt, die die Funktionstauglichkeit der Erythrozyten erkennen lassen (Hämoglobin, MCV, MCHC, MCH und ev. der RDW und die Retikulozyten). Die Werte MCH, MCHC, MCV und RDW werden als Erythrozytenindizes zusammengefasst. Anhand des kleinen Blutbildes wird vor allem geprüft, ob Blutbildung und Sauerstoffversorgung gut und reibungslos funktionieren. Krankheitsformen sind vor allem: Anämie oder Polyglobulie. Ursache von unregelmäßigen Werten sind häufig eine Mangelerscheinung.

Differenzialblutbild: Unterarten der Leukozyten

Die Anzahl der Leukozyten ist der einizige Werte, der sowohl im kleinen als auch im Differentialblutbild analysiert wird. Leukozyten gehören zum Immunsystems, das Fremdstoffe und Erreger bekämpft (z.B. Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze).

Die Untersuchung der Unterarten der Leukozyten nennt man "Differenzialblutbild". Hier untersucht man drei Arten von Leukozyten, die sich im Blut nachweisen lassen:

Die Granulozyten lassen sich in drei Unterarten differenzieren:

Die neutrophilen Granuloztyen wiederum kann man ebenfalls noch unterteilen:

Mit dem Differenzialblutbild lassen sich zahlreiche Krankheiten näher untersuchen: vor allem Infektionen, Entzündungen, Parasitenbefall, Vergiftungen, Allergien etc. Jede der Leukozyten-Unterarten bekämpft bestimmte Substanzen oder Eindringlinge. Je nachdem, welche Unterart vermehrt auftritt, kann man leichter auf eine mögliche Ursache und damit Erkrankung rückschließen.

Großes Blutbild zum Download und Ausdrucken

Wenn Sie die Werte des großen Blutbildes herunterladen und ausdrucken möchten, bitte schön:

Die folgende Grafik zeigt die Tabelle mit den Werten des großen Blutbildes noch einmal als Grafik (darf man ebenfalls gerne Herunterladen und Ausdrucken):

Blutwerte (Tabelle)
Blutwerte (Tabelle): die Werte des kleinen Blutbildes und des Differentialblutbildes

Blutbildung: Hämatopoese

Unregelmäßige Werte des großen Blutbildes haben häufig mit der Blutbildung zu tun. Alle Blutzellen stammen von einer gemeinsamen Stammzelle ab. Die Blutbildung (Hämatopoese) findet im Knochenmark statt. Die folgende Infografik zeigt die Entwicklungsstadien der einzelnen Zellarten.

Hämatopoese (Bildung der Blutzellen) - Infografik
Hämatopoese (Bildung der Blutzellen)
Infografik von Martin Mißfeldt, CC-BY-SA; Bildquelle: Blutwert.net

Blutentnahme für großes Blutbild nüchtern?

Der Begriff "nüchtern" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht (nur): "frei von Alkohol", sondern dass man vor der Blutentnahme keine Stoffe mehr zu sich nehmen soll, die das Ergebnis verfälschen könnten. Zu den Dingen, die man nicht zu sich aufnehmen sollte, gehören:

Alles, was auch nur Spuren dieser Stoffe enthält, soll man ca. 8 Stunden vor der Blutabnahme nicht mehr konsumieren. Da insbesondere Zucker und Fette in fast allen Lebensmitteln enthalten sind, heißt das in der Regel: 8 Stunden vorher nichts mehr essen.

Aber auch bei den Getränken muss man darauf achten. Getränke wie Milch (Fett) oder Brause (Zucker) sind nicht gestattet. Stattdessen sind Wasser, Kaffee oder Tee meist in Ordnung (ohne Milch und Zucker natürlich). Fragen Sie im Zweifelsfall vorher noch einmal nach.

Das gilt allerdings nur bedingt für ein (großes) Blutbild. Denn hierbei werden eh nur die Blutzellen untersucht - diese Werte werden durch kurzfristige Nahrungsaufnahme kaum beeinflusst. Eine Ausnahme liegt vor, wenn ein Verdacht auf eine Eisenmangelanämie im Raum steht. Da Eisen nach der Nahrungsaufnahme zunächst im Blutserum vorliegt, ehe es im Hämoglobin verarbeitet wird, ist der Eisenwert ebenfalls von der Nahrungsaufnahme abhängig. (Aus diesem Grund reicht der Eisenwert selber - als Ion im Blutserum - auch nicht, um eine Anämie zu diagnostizieren.)

"Nüchtern zum Blut-Abnehmen" ist vor allem dann wichtig, wenn das Blutserum untersucht werden soll. Denn Werte wie Blutzucker oder Blutfette wie z.B. Cholesterin sind in starkem Maße von der letzten Mahlzeit abhängig. Damit die Blutwerte anschließend mit statistischen Normalwerten vergleichbar sind, sollte man nüchtern zur Blutabnahme gehen.

Da oft nicht sicher ist, welche Werte wirklich untersucht werden sollen, sagen Ärztinnen oder Ärzte in manchen Fällen prophylaktisch, dass man nüchtern erscheinen soll.

Was kostet ein großes Blutbild?

Die Kosten für ein großes Blutbild belaufen sich auf rund 6 - 8 Euro, das schwankt von Labor zu Labor. Allerdings muss man diese Kosten normalerweise als Patient nicht tragen. Wenn das Blutbild im Rahmen einer ärztlichen Routineuntersuchung erstellt wird, übernimmt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse (AOK, Barmer, TK etc.) die Kosten. Bei Privatversicherten sind die Kosten für das große Blutbild dann allerdings etwas höher. Denn es kommen dann noch Rechnungs- und Abwicklungsgebühren an, so dass man mit rund 30 Euro rechnen muss.

Zu bedenken ist natürlich, dass im großen Blutbild - wie oben geschildert - nur die Analyse der Blutzellen inbegriffen ist. Weitere Blutwerte wie Kreatinin, Ferretin, Cholesterin und so weiter verursachen zusätzliche Kosten, die im Einzelfall erheblich sind (weil das Analyseverfahren teilweise weitaus aufwändiger ist).

Autoren

Martin Mißfeldt

Martin Mißfeldt ist Experte für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten. Er "übersetzt" seit über 20 Jahren komplexe Zusammenhänge in die einfache Sprache der breiten Masse. Sein Studium der bildenden Kunst (Universität der Künste Berlin) ermöglicht es ihm, komplizierte Inhalte auch als Grafiken zu veranschaulichen. Mehr siehe Impressum.

Martin Mißfeldt

Dr. med Sönke Mißfeldt übernimmt die fachliche Prüfung der Inhalte dieser Website. Er ist seit über 40 Jahren praktizierender Internist. Von 1976 bis 2018 war er Hausarzt in seiner Praxis in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt er die Fragen und Sorgen, die Patienten beschäftigen.

Quellen

Weiterführende Links

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