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Lymphozyten: lernende Fresszellen

Lymphozyten

Lymphozyten sind Blutzellen, die zur Gruppe der Leukozyten gehören und damit zum Immunsystem des Körpers (Abwehr von schädlichen Fremdstoffen). Im periphären (zirkulierenden) Blut sind bei einem gesunden Erwachsenen circa 1000 - 2900 Lymphozyten pro Mikroliter (µl) Blut enthalten. Als Blutwert wird in der Regel jedoch nicht die absolute Anzahl genannt, sondern der prozentuale Anteil der Lymphozyten an der Gesamtmenge der Leukozyten. Dieser Wert entspricht rund 25 bis 40 Prozent.

Lymphozyt
Lymphozyt

Lymphozyten gehören zur sog. "spezifischen Immunabwehr", das bedeutet, sie "erlernen" erst, welche Stoffe abzuwehren sind und welche nicht. Der Mediziner sagt, die Lymphozyten werden geprägt - im Gegensatz zu z.B. Granulozyten, bei den quasi genetisch einprogrammiert ist, was sie zerstören sollen. Das nennt man das "unspezifische Immunsystem".

Lymphozyten haben vor allem drei wichtige Aufgaben:

Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen:

Lymphozyten Normalwerte

Die Normalwerte für Lymphozyten liegen zwischen 1500 und 3000 pro Mikroliter (µl) Blut. Im Laborbefund wird jedoch meist der Anteil an der Gesamt-Leukozytenzahl angegeben: das entspricht einem prozentualen Anteil von rund 25 bis 40 Prozent.

Zelltyp Anteil an Leukozyten insgesamt (%) Anzahl pro µl
alle Leukozyten (bei Erwachsenen) 100 4.000–10.000
Stabkernige neutrophile Granulozyten 3–5 150–400
Segmentkernige neutrophile Granulozyten 54–62 3000–5800
Eosinophile Granulozyten 1–3 50–250
Basophile Granulozyten 0–1 15–50
Lymphozyten 25–40 1500–3000
Monozyten 3–7 280–500

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Innerhalb der Gruppe der Lymphozyten überwiegt der Anteil der T-Zellen deutlich: 61 bis 85%, das entspricht rund 600 bis 3000 pro Mikroliter (µl] Blut. Mit 7 bis 23 Prozent Anteil (rund 70 bis 830 pro µl Blut) kommen die B-Zelle eitaus seltener vor.

Lymphoyzen-Art Anteil an Gesamtlymphozyten Anzahl pro µl Blut
B-Lymphozyten 7-23% 70 - 830
T-Lymphotyten 61-85% 600 - 3000

Aufbau und Gestalt der Lymphozyten

Lymphozyt
Lymphozyt

Ein Lymphozyt hat eine kugelförmige Gestalt mit einem Durchmesser von rund 10 - 12 µm (Mikrometer). Sie sind damit nur ein wenig größer als die Erythrozyten.

Mit zunehmendem Alter wird ein Lymphozyt etwas kleiner.

Er enthält einen relativ großen Zellkern, der sich im Blutausstrich mit Hilfe der Pappenheim-Färbung gut einfärben lassen.

Die anderen Leukozyten-Arten sind zum Teil deutlich größer (bis zu 20 µm Durchmesser).

Leukozyten-Arten
Leukozyten-Arten unter dem Mikroskop - links unten ein Lymphozyt

Bildung der Lymphozyten

Lymphozyten werden nicht vorrangig im Knochenmark gebildet - so wie die übrigen Blutzellen. Der Bildungsprozess beginnt zwar im Knochenmark, wo sie aus einer pluripotenten Stammzelle hervorgehen. Nach deren Teilung bildet sich unter anderem eine sog. lymphatische Vorläuferzelle, aus der sich entweder eine Natürliche Killerzelle (NK) entwickelt - oder ein Lymphoblast.

Die Lymphoblasten (Vorläuferzellen) wanderen dann jedoch ins Lymphatische System, hier vor allem im Thymus, aber auch in den Lymphknoten und in der Milz. Hier kommen sie mit schädigenden Fremstoffen in kommen und werden so geprägt. Durch diesen Reifungsprozess entwickelt sich die Vorläuferzelle dann entweder in eine B-Zelle oder eine T-Zelle. Den Vorgang der Lymphozyten-Bildung nennt man auch Lymphopoese.

Das Lymphsystem ist quasi die Kanalisation im menschlichen Körper. Hier fließen defekte Zellen, ungenutzte Soffe, aber auch die externe aufgenommenen Stoffe (zum Beispiel über die Atmung), zusammen. Im Lymphsystem lernen die unfertigen Lymphoblasten, welche Stoffe bekämpft werden müssen. Die fertig geprägten Lymphozten wandern dann in großer Zahl in die Lymphe (ca. 70%).

Über die Lymphgefäße gelangen einige Lymphozyten auch in das Blut und wandern in andere Gewebe ein. Erst bei einer Entzündung oder Infektion steigt die Zahl der Lymphozyten (und der Leukozyten) im Blut an, wo sie dann im Rahmen eines Differentialblutbildes untersucht werden können.

Die Lebensdauer von Lymphozyten kann ein paar Stunden bis zu mehreren Jahren betragen. Durch Zellteilung der B-Lymphozyten entstehen Plasmazellen mit einer Lebensdauer von wenigen Wochen sowie Gedächtniszellen, die mehrere Jahre bis lebenslang im Körper vorhanden sind.

Aufgabe und Funktion der Lymphozyten

Die Aufgaben der drei Lymphozyten-Zellarten unterscheiden sich:

Die T-Lymphozyten werden darüber hinaus auch als Gedächtniszellen bezeichnet: Haben sie einmal Bekanntschaft mit einem Antigen (charakteristischer Bestandteil eines Fremdstoffes) gemacht, können sie dieses bei einem erneuten Kontakt sofort identifizieren und eine schnelle spezifische Abwehrreaktion einleiten.

Ihre Aufgabe erfüllen die Lymphozyten auf verschiedene Weise. Sie setzen beispielsweise Botenstoffe (Zytokine) frei, die andere Immunzellen und auch normale Zellen dazu bringen, potentielle Gefahren wie Bakterien und Viren zu bekämpfen. Darüber hinaus produzieren sie Antikörper, die diese „Angreifer“ als „fremd“ markieren, und sie zerstören infizierte Zellen.

Nach ihrem Reifegrad (Alter) und ihrer Funktionsweise lassen sich die Lymphozyten noch weiter unterteilen:

B-Lymphozyten

T-Lymphozyten

Atypische Lymphozyten

Atypischer Lymphozyt
Atypischer Lymphozyt

Bei ihrer aktiven Arbeit zur Abwehr bestimmter Fremdstoofe verändern Lymphozyten ihre typische Gestalt. Sie werden größer und auch der Zellkern verändert oft seine Form. Daher werden sie als atypische Lymphozyten bezeichnet, die sich meist gut unter dem Mikroskop erkennen lassen. Diese veränderten Abwehrzellen deuten darauf hin, dass eine bestimmte Erkrankung vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel:

Bei Unregelmäßigkeiten beim Blutwert Lymphozyten kommen im Prinzip zwei Ursachen in Frage:

Zu den Erkrankung des lymphatischen Systems gehören z.B.

Blutwert Lymphozyten erhöht

Lymphozyten zu hoch

Bei den meisten Laborbefunden reicht die Spanne der Lymphozyten-Normwerte bis zu 40 Prozent der Leukozyten (im Blut). Wenn der Lymphoyzen-Wert darüber hinausgeht, spricht man von einer Lymphozytose.

Bei Kindern kommt es häufig zu erhöhten Werten, was meist vollkommen normal ist. Auch bei Erwachsenen sind erhöhte Lymphozyten-Werte meist durch eine virale oder bakterielle Infektion zu erklären - und damit im Grunde ein gutes Zeichen, weil die körpereigene Immunabwehr angemessen reagieren kann. In dem Fall gilt es zu klären, welche Infektionsursache vorliegt und ob eine weitere Behandlung erforderlich ist (z.B. bei Masern, Röteln, Mumps, aber auch Tuberkulose oder Syphilis).

Der Lymphozyten-Wert kann allerdings auch ohne äußerer Erreger erhöht sein. Ursache ist dann meist eine (angeborene oder erworbene) chronische Erkrankung, z.B.:

Problematisch wird es zudem, wenn die Lymphozyten-Produktion angekurbelt wurde, weil im Körper eine unkontrollierte Zellproduktion stattfindet (Tumor) oder wenn der Blutbildungsprozess unkontrolliert abläuft. Dazu zählen verschiedene Krebsarten wie z.B. eine lymphatische Leukämie (Blutkrebs), bei der die Lympho-Werte besonders hoch sind. Siehe auch: Lymphozyten zu hoch

Blutwert Lymphozyten vermindert

Lymphozyten zu niedrig

Wenn die Anzahl der Lymphozyten zu niedrig ist (vermindert), spricht man von einer Lymphopenie (auch Lymphozytopenie). Dann liegt eine Erkrankung oder Schädigung des lymphatischen Systems vor. Mögliche Ursachen sind:

Lymphozyten
Lymphozyten

Ressourcen / Weiterlesen

Wikipedia: Lymphozyt