Transferrin (Eisentransportprotein)

Transferrin (lat. trans=hinüber, ferrum=Eisen) ist ein eisenbindendes Protein, dass für den Eisentransport im Organismus zuständig ist. Dieses Glykoprotein (Proteinkette mit Zucker-Resten) besteht aus 679 Aminosäuren und hat zwei Bindungsstellen für Fe3+-Ionen. Transferrin wird in der Leber hergestellt und gehört zur Gruppe der β-Globuline (Transportproteine). Zu viel Eisen im Organismus ist schlecht, zu wenig auch. Transferrin sorgt für einen ausgewogenen Eisenhaushalt. Die folgende Grafik zeigt den Transferrin-Zyklus:

Transferrin-Zyklus
Transferrin-Zyklus: Apo-Transferrin nimmt Eisen-Ionen auf; Transferrin gelangt durch Endosom ins Zytoplasma

Eisen im Organismus

Hämoglobin
Hämoglobin - vier Globine mit je einer
Häm-Gruppe, deren Eisen-Endung
Sauerstoff binden kann

Transferrin ist ein wesentlicher Bestandteil des Eisenstoffwechsels. Das Spurenelement Eisen (ferrum) wird im menschlichen Körper vor allem für Hämoglobin benötigt. Hämoglobin wiederum ist Hauptbestandteile der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Wegen des rötlichen Eisens sieht auch Blut rot aus. Das Eisen im Hämoglobin kann Sauerstoff (und Kohlendioxid) binden. Auf diese Weise wird Sauerstoff (=Energie) aus der Lunge über den Blutkreislauf in alle Organe und Gewebe transportiert.

Vereinfacht ausgedrückt: ohne Eisen keine Energie.

Funktion des Transferrins: Eisentransport im Organismus

Die Lagerung und der Transport von Eisen im Organismus ist von wichtiger Bedeutung. Eisen wird im Organismus zwar auch recycelt (wiederverwendet), allerdings muss ein Teil über die Nahrung aufgenommen werden.

Beim Abbau des Hämoglobins in der Milz (und in geringem Umfang auch in der Leber) wird Eisen herausgelöst und an Transferrin gebunden. Der Rest (erst Biliverdin, dann Bilirubin) wird dann über die Leber entsorgt.

Bilirubin Definition
Bilirubin Definition: Abbauprodukt des Hämoglobins in den Erythrozyten

Darüber hinaus wird Eisen vor allem zum Aufbau von Körperzellen benötigt (Wachstum).

Wenn zu wenig Eisen zur Verfügung steht - sei es aufgrund von Mangelernährung oder aufgrund verminderter Transferrinsättigung, kann nicht mehr ausreichend Hämoglobin gebildet werden. Man spricht von einer Eisenmangelanämie.

Eisenspeicherung und -transport

Transferrin wird hauptsächlich in der Leber produziert; geringe Mengen werden außerdem in den Hoden, im Gehirn, der Milz und den Nieren gebildet. Mit vier Prozent Anteil im Plasmaprotein ist Transferrin das vierthäufigste Protein im Blutplasma.

Transferrin-Strukturmodell
Links: Transferrin-Strukturmodell, Rechts: Ausschnitt aus der Aminosäurekette
mit Eisen im Zentrum

Transferrin Normalwerte / Blutwert

Das in Transferrin gebundene Eisen beträgt ca. 0,1 % des gesamten Eisens im menschlichen Organismus. Bei voller Sättigung kann das Plasmatransferrin ca. 12 mg Eisen aufnehmen, eine vergleichsweise kleine Menge. Transferrin ist im Normalfall nur zu rund 20 bis 40 Prozent mit Eisen besetzt. Als Normalwerte gelten 2 bis 6 Gramm.

Wenn der Sättigungsgrad (bis zu 45%) überschritten wird, kann Eisen nicht mehr gebunden werden. Es schwimmt dann frei im Blut (ebenfalls als Blutwert messenbar) - bei längerem erhöhten Eisengehalt im Blut kommt es zu Vergiftungserscheinungen.

Die normale Eisen-Transferrinsättigung des Erwachsenen liegt bei etwa 25–30 %.

Der Referenzbereich des Transferrinspiegels (Transporteisen) im Laborbefund liegt beim Menschen bei 200–400 mg/dl (Milligramm pro Deziliter).

Transferrin erhöht / zu hoch

Eine Erhöhung des Transferrinspiegels über 400 Milligramm pro Deziliter zeigt an, dass der Eisenhaushalt etwas aus dem Lot ist. Ursachen können sein:

Siehe auch: Eisenmangelanämie.

Transferrin vermindert / zu niedrig

Wenn der Transferrin-Wert unter 200 mg pro Deziliter sinkt, kommen verschiedene Ursachen in Frage. Mögliche Ursachen sind:

Wer hat Transferrin entdeckt?

Als Entdecker des Transferrins gelten Arthur L. Schade und Leona Caroline von der Overly Biochemical Research Foundation in New York City. Sie veröffentlichten 1946 in Science einen Artikel über ihre Entdeckung

Transferrin
Transferrin

Autoren

Martin Mißfeldt

Martin Mißfeldt ist Experte für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten. Er "übersetzt" seit über 20 Jahren komplexe Zusammenhänge in die einfache Sprache der breiten Masse. Sein Studium der bildenden Kunst (Universität der Künste Berlin) ermöglicht es ihm, komplizierte Inhalte auch als Grafiken zu veranschaulichen. Mehr siehe Impressum.

Martin Mißfeldt

Dr. med Sönke Mißfeldt übernimmt die fachliche Prüfung der Inhalte dieser Website. Er ist seit über 40 Jahren praktizierender Internist. Von 1976 bis 2018 war er Hausarzt in seiner Praxis in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt er die Fragen und Sorgen, die Patienten beschäftigen.

Quellen

Weiterführende Links

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