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Stabkernige neutrophile Granulozyten

Stabkernige Granulozyten

Stabkernige Granulozyten sind die jugendliche Form der neutrophile Granulozyten. Sie sind nach ihrem Aussehen unter dem Mikroskop benannt, weil der Zellkern noch aus einem Stück besteht, das oftmals stabartig in die Länge gezogen ist. Erst nach ein paar Stunden (wenigen Tagen) wird der Zellkern an mehreren Stellen abgeschnürt, so dass er aus mehreren Teilen besteht - die dann reife Form nennt man segmentkernige Granulozyten.

Stabkerniger neutrophiler Granulozyt
Stabkerniger neutrophiler Granulozyt

Im Blutbild (Untersuchung der Blutzellen) werden die Neutrophilen in stabkernige und segmentkernige differenziert. Aus dem Verhältnis kann man Rückschlüsse ziehen, ob sich eine Infektion erst im Anfangsstadium befindet - oder ob der Körper bereits die Produktion der Granulozyten hochgefahren hat.

Der Großteil der funktionsfähigen Granulozyten befindet sich jedoch gar nicht im zirkulierenden Blut, sondern wird im Knochenmark gelagert (ca. 12-14fache Menge). Anders ist es jedoch bei Säuglingen: sie haben noch keine Knochenmarksreserve gebildet. Im Falle einer Infektion werden daher sehr schnell und sehr viele Neutrophile gebildet. Daher sind die Granulozyten-Werte, insbesondere die Anzahl der stabkernigen, bei Neugeborenen und Kleinkindern anders zu bewerten als die von Erwachsenen.

An der Verteilung der Granulozyten lässt sich im Rahmen eines Differentialblutbildes vor allem erkennen, in welchem Stadium sich eine Infektion, Vergiftung oder Befall befindet und ob die körpereigene Abwehr hochgefahren wurde und funktioniert.

Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile)
Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile)

Nach ihrer Gestalt (Aussehen der Zellen nach Einfärung) kann man die Granulozyten unter dem Mikroskop weiter differenzieren. Jede dieser Unteraten hat spezielle Funktionen und kommt anteilig unterschiedlich häufig vor. Die folgenden Unterarten lassen sich auseinanderhalten und sind Bestandteil des sog. Differentialblutbildes (Untersuchung der Leukozyten). Die Tabelle zeigt die Normalwerte:

Zellart Anteil an Gesamt-Leukozytenanzahl Anzahl pro µl Blut
Neutrophile Granulozyten    
  Stabkernige (neutrophile) Granulozyten 3 bis 5% 150–400
  Segmentkernige (neutrophile) Granulozyten 50 bis 70% 3000–6000
Eosinophile Granulozyten 2 bis 4% 50–250
Basophile Granulozyten 0 bis 2% 15–50

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Das vermehrte Auftreten der (unreifen) stabkernigen Granulozyten bezeichnet man auch als Linksverschiebung. Dieser Begriff wird häufig von Ärzten im Zusammenhang mit der Differenzialblutbild verwendet. Eine Linksverschiebung zeigt - grob vereinfacht - die gesteigerte Produktion von neutrophilen Granulozyten an - das ist meist ein Indiz für eine bakterielle Infektion. Eine relevante Linksverschiebung besteht erst, wenn der Anteil der stabkernigen Granulozyten mehr als 5% aller neutrophilen Granulozyten überschreitet.

Wenn vermehrt überreife, stark segmentiertkernige Neutrophile gemessen werden, spricht man von einer Rechtsverschiebung. Das kann auf eine gestörte Blutbildung hindeuten, zum Beispiel durch einen Mangel von Vitamin-B12.

Funktion der stabkernigen neutrophilen Granulozyten

Neutrophiler stabkerniger Granulozyt
Neutrophiler stabkerniger Granulozyt

Neutrophile Granulozyten (sog. Neutrophile) sind eine von drei Arten der Granulozyten - neben Eosinophilen und Basophilen. Sie gehören alle zur Gruppe der Leukozyten, einer von drei Blutzellen-Arten. Die Aufgabe der neutrophilen Granulozyten ist es, Mikroorganismen, vor allem schädliche Bakterien, abzutöten. Sie gehören zu den sog. Fresszellen, weil sie die Bakterien umschließen und vollständig in sich aufnehmen, um sie zu neutralisieren. Unter dem Mikroskop sieht es dann so aus, als würden sie die Bakterien fressen.

Viele stabkernige neutrophile Granulozyten

Wenn im Blut vermehrt stabkernige Granulozyten enthalten sind, deutet das auf eine akute bakterielle Infektionen. In dem Fall ist besonders der Blutwert der stabkernigen neutrophilen Granulozyten im Differentialblutbild erhöht. Man spricht von einer neutrophilen Granulozytose oder "Neutrophilie". In dem Fall sind mehr als 7.500 Neutrophile pro µl (Mikroliter) Blut enthalten. Offenbar wurde die Granulozyten-Produktion im Knochenmark angeregt, um die Bakterien aktiv zu bekämfen.

Wenig stabkernige neutrophile Granulozyten

Wenn zu wenige stabkernige Granulozyten im Blut vorhanden sind, zeigt das meist den Beginn einer Infektion an. Die vorhandenen Granulozyten sind größtenteils mit der Bekämpfung der Bakterien beschäftigt. Die Produktion wurde aber noch nicht hochgefahren. Diesen Zustand bezeichnet man auch als Granulozytopenie.

In dieser Phase ist die Abwehrbereitschaft des Körpers deutlich herabgesetzt - das heißt, in dieser Zeit ist der Organismus besonders für weitere Infektionen anfällig.

Bildung der Granulozyten (Granulopoese)

Die Bildung der Granulozyten (Granulopoese) erfolgt im Knochenmark aus multipotenten Stammzellen (auch hämatopoetische Stammzelle). Das Heranreifen eines Neutrophilen dauert etwa 6-10 Tage. Falls die Produktion aufgrund einer akuten Infektion angekurbelt werden muss, kann der Reifunsgprozess auch etwas beschleunigt werden.

Die folgende Infografik zeigt die Entwicklungsstadien der einzelnen Zellarten.

Hämatopoese (Bildung der Blutzellen) - Infografik
Hämatopoese (Bildung der Blutzellen)
Infografik von Martin Mißfeldt, CC-BY-SA; Bildquelle: Blutwert.net

Der gesamte Vorgang der Blutbildung wird als Hämatopoese bezeichnet.

Stabkernige Granulozyten

Ressourcen / Siehe auch ...