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Monozyten (Blutwert Mono) - Vorläufer der Fresszellen

Monozyten

Monozyten sind Zellen der Immunabwehr, die zu den Leukozyten gehören und als Blutwert "Mono" im Differentialblutbild erfasst werden. Nach ihrer Bildung zirkulieren sie ca. 1-3 Tage im Blut durch den Organismus. Sie werden immer dann aktiv, wenn irgendwo körperfremde Strukturen eingedrungen sind. Im Blut können sie dann direkt als Monozyten aktiv werden. Wenn andere Gewebe betroffen sind, wandern die Monozyten durch die Gefäßwände ins Gewebe ein, wo sich sich zu Makrophagen oder Dendritische Zellen weiterentwickeln. Diese zerstören die körperfremden Strukturen dann, indem sie sie in sich aufnehmen (Phagozytose, sog. Fresszellen). Die Monozyten gehören sowohl zum spezifischen als auch zum unspezifischen Abwehrsystem.

Makrophagen und Dendritische Zellen sind quasi gepanzerte Schutzzellen, die gezielt Giftstoffe freisetzen, um andere Zellen zu zerstören. Sie selber sind vor diesen Giftstoffe geschützt. Die Monozyten sind als Vorläufer dieser aggressiven Abwehrzellen noch ungeschützt.

Monozyten Normalwert

Der Anteil der Monozyten an der Gesamt-Leukozytenanzahl beträgt bei Erwachsenen im Normalzustand rund 3 bis 7 Prozent. Das entsprichteinem absoluten Wert von etwa 280 bis 500 Monozyten pro Mikroliter. Hier die Tabelle mit den Anteilen der Leukozyten-Arten beim gesunden Erwachsenen:

Zelltyp Anteil an Leukozyten insgesamt (%) Anzahl pro µl
alle Leukozyten (bei Erwachsenen) 100 4.000–11.000
Stabkernige neutrophile Granulozyten 3–5 150–400
Segmentkernige neutrophile Granulozyten 54–62 3000–5800
Eosinophile Granulozyten 1–3 50–250
Basophile Granulozyten 0–1 15–50
Lymphozyten 25–40 1500–3000
Monozyten 3–7 280–500

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Monozyten bei Stress

Im Jahr 2011 konnte in einer wissenschaftlichen Studie erstmals nachgewiesen werden, dass Stress ein Auslöser für die verstärkte Bildung von Monozyten ist. Ein erhöhter Monozytenwert kann also auf die Ursache "zu viel Stress" zurückgeführt werden.

Hintergrund ist eine sog. reaktive Sauerstoffspezies (ROS). ROS sind aggressive Formen des Sauerstoffs, die im Rahmen der natürlich Immunabwehr von den Makrophagen gebildet werden. Makrophagen sind weiterentwickelte Monozyten, die quasi einen Schutzpanzer gebildet haben. Bei der Bekämpfung anderer Zellen mit (u.a.) ROS sind sie (und auch die Dendritischen Zellen) vor ROS geschützt. Die Monozyten als ungeschützte Vorläuferstufe allerdings nicht.

ROS wirkt toxisch und zerstörte neben den Eindringlingen auch angrenzendes körpereigenes Gewebe. Aus diesem Grund gibt es einen eingebauten Mechanismus, um die Überproduktion von Makrophagen zu verhindern. Werden Monozyten durch ROS angegriffen, so verändern sie ihre DNA-Struktur, so dass sie nicht mehr voll funktionstauglich sind. Das tun sie, weil dadurch verhindert werden soll, dass noch mehr Makrophagen gebildet werden, die das schädliche ROS freisetzen. Diese natürliche Regulation funktioniert in der Regel auch recht gut.

Bei sog "oxidativem Stress" entsteht nun allerdings vermehrt ROS im Körper. Das hat nicht mit "Atmung" zu tun, sondern mit einer dauerhaften übersteigerten Aktivität in den Körperzellen. Dort entstehen dann im Rahmen der Sauerstoffumwandlung "reaktive Sauerstoffspezies" (ROS). Diese gelangen über das Blut auch ins Knochenmark, wo sie - bei einer längeren hohen Dosis - eine gesteigerte Leukozytenbildung auslösen. Diese Überproduktion führt dann zur übernatürlichen Vermehrung der Monozyten - die dann um so mehr Makrophagen ausbilden.

Das natürliche Gleichgewicht ist bei Stress gestört - und das hat vielfältige negative Auswirkungen auf den Körper.

Die genaue Wirkungsweise von ROS ist noch nicht bis ins einzelne geklärt. Wahrscheinlich wirkt es in geringen Dosen sogar positiv - aber in zu hoher Dosierung spielt bei verschiedensten Erkrankungen eine wesentliche Rolle und begünstigt in einigen Fällen wohl auch die Entstehung von Tumoren.

Aufbau der Monozyten

Monozyt
Monozyt

Ein Monozyt hat eine meist kugelförmige Gestalt mit einem Durchmesser von rund 12-20 µm (Mikrometer). Er ist damit die größte aller Zellen, die im Blut schwimmen (zum Vergleich: ein Erythrozyt hat nur rund 7,5 µm Durchmesser). In seinem Zellinneren befinden sich ein relativ großer Zellkern von meist bohnenartiger Gestalt sowie zahlreiche Vesikel, die sich gut einfärben lassen, so dass man sie in einem Blutausstrich unter dem Lichtmikroskop gut erkennen kann (siehe Abbildung).

Die Monozyten werden im Knochenmark gebildet. Im Blut zirkulierende Monozyten haben eine Lebensdauer von 1 bis 3 Tagen, bevor sie ausdifferenzieren und in die Gewebe einwandern. Sie werden aber auch in der Milz gespeichert, wo sie deutlich älter werden können.

Die folgende Grafik zeigt die verschiedenen Leukozyten-Arten, so wie sich nach Einfärbung unter dem Mikroskop erscheinen:

Leukozyten-Arten
Leukozyten-Arten - so wie sie nach Einfärbung unter dem Mikroskop erscheinen

Funktion der Monozyten

Monozyten gehören zur Gruppe der Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Die Leukos sind für die Abwehr von Krankheitserregern und anderen körperfremden Substanzen zuständig. So wie auch die neutrophilen Granulozyten haben Monozyten die besondere Fähigkeit, bei Kontakt mit Infektionen gezielt in betroffenes Gewebe einzudringen. Dort entwickeln sie sich weiter und wachsen um das 5 bis 10fache an. Sie werden zu einer sog. Fresszelle: als Makrophage oder Dendritische Zelle "fressen" sie Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze. Die riesigen Zellen legen sich um die Erregerzellen und nehmen sie in sich auf.

Mit Hilfe des Blutes, das ununterbrochen durch den gesamten Organismus zirkuliert, gelangen Monozyten schnell und effektiv genau dorthin, wo sie benötigt werden. Erst wenn sie im Gewebe sind, entwickeln sie sich zu deutlich größeren Zellen, die die Angreifer oder Substanzen umschließen. Nach dem Umschließen werden die Eindringlinge mithilfe verschiedener Enzyme und toxischer Stoffe abgetötet und zerstört.

Die Makrophagen im Zellgewebe können eine Lebensdauer von mehreren Wochen haben. Dort kümmern sie sich nicht nur um Erreger und Fremdstoffe, sondern auch um altes körpereigenes Material, zum Beispiel im Rahmen des Knochenstoffwechsels oder bei der Beseitigung von LDL-Cholesterin ("schlechtes Cholesterin").

Den Vorgang des Fressens von körperfremden Substanzen nennt man "unspezifische Körperabwehr".

Darüber hinaus sind Monozyten aber auch an der spezifischen Abwehr beteiligt. Man spricht auch vom "erworbenen Immunsystem". Hierbei werden Teile der Erreger kontrolliert an der Oberfläche der Monozyten bzw. Makrophagen angeheftet. Man könnte auch sagen: die Monozyten tun so, als seien sie gefährliche Erreger. Dadurch wird die Bildung spezieller Antikörper angeregt, so dass die Bekämpfung gerade großer Menge von Krankheitserregern viel schneller und effektiver ablaufen kann.

Eine große Anzahl von Monozyten werden in der Milz (rote Milzpulpa) gespeichert. Von dort aus können sie bei akuten Entzündungen in großer Zahl freigesetzt werden, um schnell in das betroffene Gewebe zu gelangen.

Wie viele andere Immunzellen entfalten auch Monozyten ihre volle Wirkung bei einer Körpertemperatur von 38,3 - 41° (Fieber). Es ist also normal und logisch, dass der Körper bei einer Infektion mit Fieber reagiert und somit die Immunabwehr beschleunigt.

Monozyten lassen sich in der Feindiagnostik noch in verschiedene Gruppen einteilen (Subpopulationen), die jeweils eigenständige Strukturen auf ihrer Oberfläche ausbilden (sog. Marker). Seit 2010 werden zumindest drei Subpopulationen der Monozyten unterschieden:

Monozyten erhöht

Wenn sich zu viele Monozyten im Blutbild nachweisen lassen, spricht man von einer Monozytose. In aller Regel liegt die Ursache in einer (chronischen) Entzündung oder dem Absterben bestimmter Gewebe-bereiche (Nekrose). Der Körper hat dann einen dauerhaft erhöhten Bedarf an Monozyten. Verschiedene Ursachen kommen dabei infrage:

Eine andere Ursache eines erhöhten Monozytenwertes kann auch eine unkontrollierte Blutbildung sein (Myelodysplasie). Die im Volksmund Blutkrebs (Leukämie) genannte unkontrollierte Überproduktion kann zum Beispiel eine Monozytenleukämie sein. Bei Verdacht auf solche Erkrankungen kann der Arzt zur weiteren Abklärung eine Knochenmarkuntersuchung durchführen.

Bitte beachten: ein erhöhter Monozytenwert hat in aller Regel vollkommen normale Ursachen. Er ist im Rahmen einer Infektion sogar gut und hilfreich, weil alles darauf hindeutet, dass die körpereigene Abwehr funktioniert. Man sollte diese Fragen stets mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Monozyten erniedrigt

Einen Mangel an Monozyten bezeichnet man als Monozytopenie. Ein niedriger Monozyten-Wert im Blutbild tritt in der Regel nur bei einer Verminderung des Gesamt-Leukozyten-Wertes auf. Ursache ist in aller Regel ein Problem bei der Blutbildung (Hämatopoese).

Arteriosklerose

Monozyten und Makrophagen verarbeiten in natürlichem Maße (das schlechte) Cholesterin LDL, einen wichtigen Teil des Fettstoffwechsels. Ist dieses jedoch durch Acetylierung des Protein-Anteils modifiziert, kann dieses oxidierte LDL nicht mehr verarbeitet werden und häuft sich im Zell-Inneren an. Die daraus entstandenen Makrophagen nennt man Schaumzellen. Sie gelten im Zusammenhang mit verletzten Blutgefäßen als Hauptursache der Atherosklerose / Arteriosklerose.

Monozyten
Monozyten (Blutwert)

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