Aktuell: Coronavirus einfach erklärt

Coronavirus Sars-CoV-2 (einfach erklärt)

Coronavirus Sars-CoV-2

Das Virus Sars CoV 2 gehört zu der Gruppe der Coronaviren. Es wird von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen-Infektion übertragen. Der Erreger befällt dann die Schleimhäute der Atemwege (Mund- und Nasenschleimhäute). Auch eine Übertragung durch Schmierinfektion ist möglich (z.B. über die Hände). Die Inkubationszeit (Zeitraum von der Infektion bis zum Ausbruch von Symptomen) beträgt rund 5 bis 7 Tage, in Ausnahmen bis zu 14 Tage. Aufgrund der vergleichsweise langen Inkubationszeit ist eine flächendeckende Verbreitung des Virus kaum aufzuhalten. Es ist daher vorrangiges Ziel, die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu verringern, damit Krankenhäuser, medizinisches Personal und Labore nicht überlastet werden und gesellschaftlich relevante Bereiche (Versorgung, Verwaltung, Kommunikation, etc.) weiterhin gut funktionieren.

Das gelingt am effektivsten, wenn man den "Mensch-zu-Mensch"-Kontakt so weit wie möglich vermeidet.

Coronaviren unter einem Elektronenmikroskop
Coronaviren unter einem Elektronenmikroskop

Hinweis: die Artikel dieser Website sind in leicht verständlicher Sprache geschrieben - für Menschen, die Fachartikel nur schwer verstehen. Daher sind die hochkomplexen bio-chemischen Prozesse, die räumlich und zeitlich verwoben sind, nur vereinfacht dargestellt.

Warum ist Sars-CoV-2 so gefährlich?

Das Sars-CoV-2 Virus löst im Körper eine Immunreaktion aus. Man nennt diese Krankheit Covid-19. Sie verläuft in ca. 80 Prozent der Fälle glimpflich. Für ca. 15 Prozent ist der Genesungssverlauf relativ anstrengend und kann sich bis zu 30 Tage hinziehen. Für ca. 5 Prozent kann es gefährlich werden.

Was genau die Todesursache ist, ist unklar. Wahrscheinlich spielen verschiedene Dinge zusammen. Bei einem Teil der Patienten hat Covid-19 zur Folge, dass das Immunsystem "verrückt spielt". Die eigenen Abwehrzellen (die Phagozyten, Fresszellen, z.B. Makrophagen) zerstören immer aggressiver die befallenen Zellen - vor allem in der Lunge. Diese schwere Form der Lungenentzündung kann tödlich enden.

Die unkontrollierte Überreaktion des Immunsystems wird auch als Sepsis bezeichnet. Sie basiert auf einem sich selbst verstärkenden Kreislauf: ein infiziertes Organ löst eine Immunreaktion aus, die so heftig ist, dass das Organ noch stärker erkrankt. Die Sepsis gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. (Der Begriff "Blutvergiftung" ist übrigens irreführend, weil eine Sepsis nicht direkt durch eingedrungene Giftstoffe ausgelöst wird).

Betroffen sind vor allem ältere Menschen und hierbei solche mit Vorerkrankungen. Dazu gehören:

Da das Virus die Atemwege und die Lunge befällt, gelten Raucher als besonders gefährdet. Rauchen ist per se gefährlich, weil die Auswirkungen der andauernden und regelmäßigen Vergiftung kaum wahrgenommen werden.

Covid-19 Symptome

Die typischen Symptome sind

Der Körper versucht, die Viren loszuwerden. Vor allem wegen des Fiebers kommt es häufig auch zu Kopf- und Gliederschmerzen, auch Kurzatmigkeit wird beklagt. Eher selten kommt es zu Schnupfen oder Durchfall. Allerdings kann natürlich auch eine Erkältung oder Grippe gleichzeitig mit einer Covid-19 Erkrankung einhergehen, dann vermischen sich die Symptome.

An einem Impfstoff wird fieberhaft geforscht. Es wird nach Meinung der Experten aber noch mindestens ein Jahr dauern, ehe eine geeignete und sichere Impfung möglich ist.

Wie "funktioniert" das Coronavirus?

Viren sind viel kleiner als Bakterien, die komplette, lebensfähige Zellen sind. Das Sars CoV-2 Virus funktioniert im Grunde genommen so wie jedes Virus: Zunächst einmal gibt es nur einige RNA-Sequenzen, die von einer Hülle (Membran) umschlossen sind (sog. Virion). Auf der Membran befinden sich zahlreiche "Andockmasten", sog. Rezeptoren (aktive Regionen). Sie "fühlen" in die Umgebung und versuchen, "Andock-Stellen" zu finden.

Coronavirus Infografik - von Martin Mißfeldt, CC-BY-SA
Coronavirus Infografik: Sars-Cov-2 Angriff und Abwehr durch körpereigenes Immunsystem
Infogafik von Martin Mißfeldt, Nutzungslizenz: CC-BY-SA, CreativeCommons.org

Größere Version dieser Coronavirus-Infografik ansehen.

Ein Coronavirus findet diese "Andock-Stellen" in den Zellen der Atemwegsschleimhäute - andere Viren befallen andere Orgene, z.B. Hepatitis-Viren die Leber oder Adenoviren das Magen-Darm-System. Wenn ein Virus eine passende Zelle gefunden hat, dringt es in sie ein und nutzt sie als Wirtszelle, um sich selber zu reproduzieren.

Solange ein Virus noch nicht in eine Wirtszelle eingedrungen ist, spricht man von einem Virion.

Eine befallene Wirtszelle wird von einem Virus "umprogrammiert". Die RNA-Stränge des Virus übernehmen die wichtigen Organellen der Zelle und veranlassen, dass diese Zelle nun mit der Produktion von Viren-Klonen beginnt.

Die Virus-Replikation ist dabei im Grunde sehr einfach: es muss nur die RNA verdoppelt und eine neue Außenhülle produziert werden. Die anschließend freigesetzten Virionen befallen dann die nächsten Zellen.

Der Organismus versucht, diese befallenen Zellen zu lokaliseren und durch Antikörper (spezielle Proteine, gehören zur Gruppe der Globuline) zu markieren. Das dauert eine gewisse Zeit (Stunden oder Tage). Erst dann beginnen die körpereigenen Immunzellen, diese markierten Wirtszellen zu vernichten. Sie umschließen sie und "fressen" sie quasi auf (sog. Phagozytose). Im Inneren dieser Abwehrzellen sind hochgiftige (toxische) Substanzen, die quasi alle organischen Strukturen in ihre Bestandteile zerlegen.

Das Problem dabei: diese Immunzellen müssen durch hochkomplexe körpereigene Prozesse streng kontrolliert werden. Wenn sie außer Kontrolle geraten, zerstören die Fresszellen nach und nach das gesamte Gewebe.

Genau das ist das Problem bei einigen (!) älteren Patienten und Menschen mit Vorerkrankungen: ihr Immunsystem kann quasi nicht mehr abgeschaltet werden. Das hat zur Folge, dass immer größere Teile des betroffenen Organs (bei Sars-CoV-2 meist die Lunge, teilweise auch Niere oder Leber) absterben (Lungenentzündung) - bis hin zum Organversagen, was dann tödlich endet.

In aller Regel funktioniert das Immunsystem allerdings so, wie es soll. Die befallenen Wirtszellen werden eliminiert und dadurch das Virus nach und nach "aufgefressen". Parallel dazu schult der Organismus seine Antikörper, damit sie das Virus bzw. die befallenen Wirtszellen in Zukunft schnell und effektiv markieren. Um die Prozesse der Immunabwehr zu beschleunigen, erhöht der Organismus meist gezielt die Temperatur (Fieber).

Nach einer Weile sind die befallenen Wirtszellen eliminiert. Die zerstörten Zellen werden wieder aufgebaut und regenerieren. Der Organismus hat die Infektion überstanden und dank geschulter Antikörper ist er nun gewappnet für einen erneuten Angriff (immun).

Beim Coronavirus Sars CoV-2 ist allerdings noch nicht abschließend geklärt, ob man tatsächlich einen dauerhaften Immunschutz aufbaut. Es ist zudem fraglich, ob sich das Virus bzw. seine Andock-Stellen saisonal verändern (so wie z.B. beim Grippe-Virus).

Coronavirus-Verbreitung in verschiedenen Ländern

Die folgende Grafik zeigt die Verbeitung des Coronavirus (Fallzahlen, nachgewiesene Erkrankungen) in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern (Italien, Iran, Süd-Korea, Spanien, Deutschland, Frankreich und USA).

Coronavirus-Verbreitung in verschiedenen Ländern
Coronavirus-Verbreitung in verschiedenen Ländern, Stand: 14. März 2020

 

 

Coronavirus
Coronavirus (Modell)

Schutz vor Corona-Virus

Der beste Schutz ist ein gesundes Immunsystem. Neben Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Husten in Armbeuge etc.) ist hierbei vor allem eine gesunde Lebensweise zu beachten.

Weiterlesen: Was genau bedeutet "Tröpfcheninfektion"? Wie sinnvoll sind Schutzmasken?

Coronavirus Aufbau
Detailierter Aufbau eines Coronavirus:
Spike-Glykoprotein (mit Rezeptor), Matrix-Protein (M), Hämagglutin-Esterase-Protein (HE),
Hülle (E, Envelope), RNA und Nukleoprotein (N) und Hüllenprotein (EP).

Quellen / Weiterführende Seiten

 

Autoren dieser Website

Martin Mißfeldt

Martin Mißfeldt ist Experte für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten. Er "übersetzt" seit über 20 Jahren komplexe Zusammenhänge in die einfache Sprache der breiten Masse. Sein Studium der bildenden Kunst (Universität der Künste Berlin) ermöglicht es ihm, komplizierte Inhalte auch als Grafiken zu veranschaulichen. Mehr siehe Impressum.

Martin Mißfeldt

Dr. med Sönke Mißfeldt übernimmt die fachliche Prüfung der Inhalte dieser Website. Er ist seit über 40 Jahren praktizierender Internist. Von 1976 bis 2018 war er Hausarzt in seiner Praxis in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt er die Fragen und Sorgen, die Patienten beschäftigen.

Coronavirus SARS CoV 2
Künstlerische Darstellung des Coronavirus Sars-CoV-2 von Martin Mißfeldt
Aquarell auf Papier, 38 x 48 cm, 12.3.2020, Weitere Infos zu dem Bild

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