Was sind Leberenzyme? (Normalwerte)

Enzyme sind Bio-Katalysatoren, die bio-chemische Prozesse im Körper anstoßen und beschleunigen können, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. In der Leber, dem zentralen Organ des Stoffwechsels, werden besonders viele Enzyme benötigt. Sie befinden sich in der Zellwand oder im Zellinneren (Cytoplasma) der Leberzellen. Wenn Leberzellen zerstört werden (z.B. bei einer Fettleber), werden diese Enzyme freigesetzt und ins Blut ausgeschwemmt. Dort lassen sie sich als "Leberenzyme" messen.

Zudem werden in der Leber eine Reihe von Enzymen hergestellt, z.B. die sog. Gerinnungsfaktoren, die für die Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielen. Wenn ihre Anzahl im Blut vermindert ist (sog. Quick-Wert), deutet ebenfalls einiges auf zerstörte Leberzellen hin. Die folgende Grafik zeigt einige wichtige Leberenzyme:

Leberenzyme Überblick
Leberenzyme Überblick: was bedeuten erhöhte Werte?

Man erkennt deutlich, dass man bei den Werten differenzieren muss.

Wann liegt eine Schädigung der Leber vor?

Wenn einer der folgenden Werte erhöht ist, deutet einiges auf eine Störung in der Leber hin:

Wenn eines der Folgenden Leberenzyme vermindert ist, kann das ebenfalls mit einer Schädigung von Leberzellen zusammenhängen, weil sie in der Leber gebildet werden:

Die Leberenzyme gehören zu den "Leberwerten" - neben z.B. Bilirubin . Bilirubin ist allerdings kein Enzym, sondern ein Abbauprodukt des Hämoglobins.

Viele der Leberenzyme kommen nicht nur in der Leber vor. Wenn also nur ein einzelner Wert unregelmäßig ist, kann man noch nicht zwingend von einer Schädigung der Leber sprechen. Erst wenn mehrere dieser Leberwerte auffällig sind, liegt eine Leberschädigung nahe. Durch den Abgleich von GPT, GOT und Gamma GT lassen sich fast 95% aller Lebererkrankungen erkennen. Die folgende Tabelle zeigt, wie stark einzelne Werte in der Regel bei Leberschädigungen abweichend sind:

Erhöhte Leberwerte (Tabelle)
Tabelle: Erhöhte Leberwerte bei welcher Erkrankung / welchem Leberschaden?

Mehr zum Thema Leberwerte erhöht / zu hoch

Ursachen für veränderte Leberwerte

Ursache für einen Anstieg der Leberwerte können sein:

Durch den Abgleich mit anderen Blutwerten lässt sich die Ursache meist eingrenzen (siehe Diagnose). So sind zum Beispiel bei infektiösen Erkrankungen meist auch andere Zellen der Immunabwehr (Leukozyten) erhöht.

In vielen Fälle sind eine zu fettreiche Ernährung oder dauerhafter Alkoholkonsum die Ursache von Leberschäden. Man sollte die ersten Anzeichen also durchaus ernst nehmen. Denn auch wenn alle wissen: Herz und Gehirn sind lebenswichtige Organe - ohne die Leber geht nichts. Die folgende Grafik veranschaulicht den Unterschied einer gesunden Leber und eine Leberzirrhose (Schrumpfleber):

Leberzirrhose
Leberzirrhose (rechts) im Vergleich zur gesunden Leber (links)

Leberwerte verbessern

Leberenzyme - welche Werte?

Was kann man tun, wenn die Blutwerte der Leberenzyme abweichend sind? In vielen Fällen ist übermäßiger Alkoholgenuß oder eine zu zucker- und fetthaltige Ernährung die Ursache für Schädigungen der Leben. Nicht selten sind dann auch die Blutfettwerte erhöht (Cholesterin und Triglyceride). Eine entsprechende Umstellung der Ernährungsgewohnheiten verbessert die Leberwerte dann meist zügig.

Denn, das ist die gute Nachricht: es gibt kein Organ, was sich so gut regenerieren kann wie die Leber. Das wussten schon die alten Griechen, als sie die Geschichte des Prometheus ersannen. Weil der den Göttern das Feuer raubte und den Menschen brachte, wird er zur Strafe an eine Säule gekettet - und jeden Tag fliegt ein Adler herbei, der unter Höllenqualen seine Leber frisst. Da diese sich so schnell und gut regeneriert, findet diese Qual jeden Tag statt ...

So wie in der antiken Sage ist es natürlich nicht - es dauert schon ein paar Wochen oder Monate, ehe sich die Leber wieder richtig erholt hat.

Siehe dazu: (LDL-)Cholesterin senken - 9 hilfreiche Tipps

Weitere Leberwerte

Die folgende Tabelle zeigt die normalen Leberwerte für Erwachsene (*Hinweis: die Werte bei Kindern/Jugendlichen und Schwangeren können abweichen). Die Einheit "U/l" steht für "Units pro Liter (Blut); "kU/l" steht für "Kilo-Units pro Liter (Blut); "mg/dl" bedeutet "Milligramm pro Deziliter (Blut)".

Leberwerte
Abk. Beschreibung Normwerte
Männer
Normwerte
Frauen
Siehe auch
ALAT (=GPT) Alanin-Aminotransferase bis 50 U/l bis 35 U/l zu hoch
zu niedrig
ASAT (=GOT) Aspartat-Aminotransferase bis 50 U/l bis 35 U/l zu hoch
zu niedrig
AP Alkalische Phosphatase 40 - 129 U/l 35 - 104 U/l zu hoch
zu niedrig
GLDH Glutamat-dehydrogenase bis 7,0 U/l bis 5,0 U/l zu hoch
zu niedrig
GGT, γ-GT Gamma-Glutamyl-Transferase bis 60 U/l bis 42 U/l zu hoch
zu niedrig
tBil Gesamt-Bilirubin bis 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
bis 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
dBil Direktes (konjugiertes) Bilirubin bis 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
bis 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
iBil Indirektes (unkonjugiertes) Bilirubin bis 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
bis 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
zu hoch
zu niedrig
ChE Cholinesterase 5,3 - 12,9 kU/l 4,3 - 11,3 kU/l zu hoch
zu niedrig
QUICK Quick-Wert 70 - 120% 70 - 120% zu hoch
zu niedrig
Leberwerte
Abk. Beschreibung Normwerte
Männer
Normwerte
Frauen
ALAT (=GPT) Alanin-Aminotransferase < 50 U/l < 35 U/l
ASAT (=GOT) Aspartat-Aminotransferase < 50 U/l < 35 U/l
AP Alkalische Phosphatase 40 - 129 U/l 35 - 104 U/l
GLDH Glutamat-dehydrogenase < 7,0 U/l < 5,0 U/l
GGT, γ-GT Gamma-Glutamyl-Transferase < 60 U/l < 42 U/l
tBil Gesamt-Bilirubin < 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
< 1,2 mg/dl
(20,5 µmol/l)
dBil Direktes (konjugiertes) Bilirubin < 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
< 0,2 mg/dl
(3,4 µmol/l)
iBil Indirektes (unkonjugiertes) Bilirubin < 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
< 1,0 mg/dl
(17,1 µmol/l)
ChE Cholinesterase 5,3 - 12,9 kU/l 4,3 - 11,3 kU/l
QUICK Quick-Wert 70 - 120% 70 - 120%

Autoren

Martin Mißfeldt

Martin Mißfeldt ist Experte für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten. Er "übersetzt" seit über 20 Jahren komplexe Zusammenhänge in die einfache Sprache der breiten Masse. Sein Studium der bildenden Kunst (Universität der Künste Berlin) ermöglicht es ihm, komplizierte Inhalte auch als Grafiken zu veranschaulichen. Mehr siehe Impressum.

Martin Mißfeldt

Dr. med Sönke Mißfeldt übernimmt die fachliche Prüfung der Inhalte dieser Website. Er ist seit über 40 Jahren praktizierender Internist. Von 1976 bis 2018 war er Hausarzt in seiner Praxis in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt er die Fragen und Sorgen, die Patienten beschäftigen.

Weiterführende Links

*Hinweis: Beim Klick auf einen Partnerlink öffnet sich die Amazon-Detailseite. Dabei wird in der URL ein Codeschnipsel "blutwert-21" angehängt. Falls Sie nun etwas kaufen, erhält der Betreiber dieser Website eine "Vermittlungsprovision". Der Preis ist identisch. Sie unterstützen damit den weiteren Aufbau dieser Website.

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und zeigt interessenbezogene Werbung.
Datenschutzhinweise öffnen ... Ok, einverstanden.