Harnstoff (Blutwert) erhöht / zu hoch

Harnstoff (Blutwert) erhöht / zu hoch

Ein erhöhter Harnstoffspiegel im Blut kann ein temporäres Phänomen sein. Wenn die Niere richtig funktioniert, wird das innerhalb weniger Stunden wieder normalisiert. Harnstoff selber ist nicht giftig und führt auch bei nur indirekt zu mittelfristigen Schädigungen.

Ursachen

Ein erhöhter Harnstoffspiegel kann verschieden Ursachen haben, z.B.

Symptome

Die typischen Symptome bei erhöhtem Harnstoffspiegel im Blut sind leider sehr unspezifisch. Sie können auch bei vielerlei anderen Erkrankungen auftreten. Zu den Symptomen gehören u.a.

Was ist Harnstoff?

Harnstoff ist zunächst einmal eine chemische Substanz, die in riesigen Mengen künstlich hergestellt wird. Die kristalline, weiße Substanz ist geruchslos und ungiftig. Aber sie eignet sich hervorragend für vielfältige Zwecke, z.B. als Dünger, in Salben und Kosmetika oder in Klebemitteln.

Harnstoff ist aber auch im Rahmen einer medizinischen Untersuchung als Blutwert von Bedeutung. Denn fast immer, wenn im menschlichen Körper Proteine, also Eiweiße, abgebaut werden, fällt Harnstoff an.

Der menschliche Körper produziert pro Tag etwa 20 bis 30 Gramm Harnstoff (in der Leber). Dieser gelangt über das Blut bis in die Niere, wo er herausgefiltert und anschließend im Urin ausgeschieden wird (geringe Mengen Harnstoff werden beim Menschen auch über Schweiß und den Darm ausgeschieden).

Harnstoff im menschlichen Organismus
Harnstoff im menschlichen Organismus: Abbau, Transport und Ausscheiden

Eine erhöhte Harnstoff-Konzentration im Blut kann daher darauf hindeuten, dass die Nieren bzw. genau genommen die Funktionseinheiten (Nephron) mit den Nierenkörperchen (Glomeruli) nicht richtig funktionieren.

Harnstoff Normwert

Die übliche Maßeinheit für Harnsäure im Blutserum ist mg/dl (Milligramm pro Deziliter). In manchen Laborbefunden wird auch der SI-Wert in µmol/l (Mikromol pro Liter) angegeben.

Abk. Beschreibung Männer Frauen
-- Harnstoff (im Blutserum) 17 bis 43 mg/dl 15 bis 40 mg/dl

Bitte beachten Sie, dass die Normalwerte in Ihrem Laborbefund abweichend sein können. Entscheidend ist immer der Referenzwert des Labors.

Das Natriumsalz der Harnsäure, Natriumurat, spielt dabei eine wesentliche Rolle, weil es sich dann als Kristalle (Gicht) oder Steine (Nierensteine) absetzt.

Harnstoff-Abbau in der Niere
Harnstoff-Abbau in der Niere (Funktionseinheit Nephron)

Harnstoff als Laborwert relativ unzuverlässig

Die Nieren können jedoch auch bei einer Funktionsstörung immer noch recht zuverlässig Harnstoff abbauen - selbst wenn über 50% der Filterfunktion ausfallen (gomeruläre Filtrationsrate GFR), kann der Harnstoff-Wert noch im Normalbereich liegen.

Daraus ergeben sich einige Schlussfolgerungen:

  1. Wenn der Harnstoffwert zu hoch ist, scheint eine nicht unerhebliche Schädigung der Niere vorzuliegen.
  2. Der Harnstoffwert sollte immer mit den anderen Nierenwerte (und gg. weiteren Blutwerten) abgeglichen werden. Dazu gehören Kreatinin, Harnsäure sowie Cystatin C. Ev. ist eine Urinprobe zum Abgleich erforderlich. Nur dann lassen sich realistische Aussagen treffen.
  3. Vor allem der Nierenwert Cystatin-C, zeigt deutlich zuverlässiger eine Schädigung der Nierenkörperchen (Glomeruli) an.

Abbau von Proteinen: Harnstoffzyklus

Leberwerte einfach erklärt

Der sehr komplexe, aber auch gut erforschte Harnstoffzyklus, also der Abbau der Proteine, findet fast ausschließlich in der Leber statt. Dabei verschmelzen am Ende zwei Moleküle Ammoniak (die ansonsten giftig wären) mit einem Molekül Kohlenstoffdioxid zu sog. Ornithin - als Abfallprodukt entsteht Harnstoff. Dieser wird ins Blut abgegeben und gelangt so in die Niere.

Harnstoff und Ernährung

Da Harnstoff letztlich das Endprodukt der Proteine ist, hat eine hohe Eiweißzufuhr eine hohe Harnstoffkonzentration zu Folge. Insofern ist Harnstoff im Blutserum nur bedingt ein aussagekräftiger Laborwert. Allerdings führen Nierenschäden fasst immer auch zu erhöhten Konzentrationen im Blutserum, und der Grad der Erhöhung erlaubt gewisse Rückschlüsse über die Schwere der Erkrankung. Als ergänzender Diagnose-Parameter ist der Blutwert Harnstoff daher immer noch verbreitet.

Unterschied zwischen Harnstoff und Harnsäure?

Was ist der Unterschied zwischen Harnsäure und Harnstoff? Beides sind Stoffwechselprodukte, ebenso wie Kreatinin. Jeder dieser Stoffe ist ein Abfallprodukt:

Alle drei sind harnpflichtig, d.h. sie müssen (mit dem Harn) ausgeschieden werden, da es für sie keine weitere Verwendung im Körper gibt.

Autoren

Martin Mißfeldt

Martin Mißfeldt ist Experte für die Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten. Er "übersetzt" seit über 20 Jahren komplexe Zusammenhänge in die einfache Sprache der breiten Masse. Sein Studium der bildenden Kunst (Universität der Künste Berlin) ermöglicht es ihm, komplizierte Inhalte auch als Grafiken zu veranschaulichen. Mehr siehe Impressum.

Martin Mißfeldt

Dr. med Sönke Mißfeldt übernimmt die fachliche Prüfung der Inhalte dieser Website. Er ist seit über 40 Jahren praktizierender Internist. Von 1976 bis 2018 war er Hausarzt in seiner Praxis in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt er die Fragen und Sorgen, die Patienten beschäftigen.

Harnstoff (Blutwert) erhöht / zu hoch
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